geöffneter mund eines mannes

Karies A-bis-Z – Ursachen, Gefahren und Behandlungen

Allgegenwärtig, aber wenig verstanden

Bizarr. Karies ist historisch betrachtet wahrscheinlich die am meisten diskutierte Erkrankung. Im Jahre 5000 vor Christus ging das Volk der Sumerer davon aus, dass Würmer Schuld an Karies waren. In anderen Ländern wie Indien, Ägypten, China und Japan oder bei Naturvölkern, wie Azteken wurde an die Existenz eines “Zahnwurms” geglaubt, welcher den Zahn von Innen auffrisst. 
Behandlungen für Zahnfäulnis gab es viele: von Aderlass, Räucherung des Mundraumes, pulverisierter Knochensubstanz bis zu dämonischen Austreibungen des Zahnwurmes waren so einige abstrakte Methoden weit verbreitet. Erst um das Jahr 1000 wurde die Diskussion etwas wissenschaftlicher, sodass wenigstens der Glaube an den Zahnwurm verschwand.
Im 19. Jahrhundert wurden wissenschaftliche Herangehensweisen wie die Parasitentheorie und Entzündungstheorie oder die chemoparasitäre Theorie entwickelt. Bis in die 1960er Jahre konnte Karies aber trotz der zahlreichen Fortschritte wissenschaftlich nicht wirklich akkurat erklärt werden und so haben sich Theorien über die Entstehung von Karies ständig verändert.

Die moderne Ablöse der 1960er

Vor den 60er Jahren wurde angenommen, dass die Kombination von Kohlenhydraten und Speichel zur Bildung von sogenannten “Lactobazillen” führte, welche folglich Karies verursachten. Fortschritte in der Forschung haben jedoch belegt, dass Lactobazillen nicht allein Schuld an Karies sind. Schließlich hat die Wissenschaft herausgefunden, dass Karies in mehreren pathologischen Zuständen im Mundraum begründet liegt.
Die moderne Theorie der Karies-Entstehung geht grundsätzlich davon aus, dass ein Ungleichgewicht der Mikroflora im Mundraum zusammen mit einer zuckerreichen Ernährung die Bildung von krankheitserregenden Mikroorganismen begünstigt. Der gesunde Bestand an Bakterien (=Mikroflora) wird durch äußere Einflüsse krank gemacht.
Zuckerreiche Ernährung, um es einfach zu halten, führt zur Säurebildung, welche in der Lage ist, die harte Zahnsubstanz zu demineralisieren. Dies bedeutet, dass ein Zahn durch fehlende Schutzschicht angreifbar ist und faul wird. Kommt neben der zuckerreichen Ernährung auch der Hauptbösewicht – der im Speichel anfallende Streptococcus mutans (eine Bakterien-Art aus der Gattung der Streptokokken) – hinzu, ist Karies sozusagen vorprogrammiert. 

Was ist also Karies?

Abgesehen vom historisch-wissenschaftlichen Kontext ist Karies eine Art Fäulnis, welche den Zahn befällt. Mikroorganismen und die Übersäuerung durch zuckerhaltige, falsche Ernährung sind die Hauptursachen. Karies ist jedenfalls eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, denn sie kann sogar den Zahnschmelz unwiderruflich zerstören, was bei vielen Menschen Plomben unabdingbar machen.

Karies ist häufig mit starken Schmerzen verbunden und bleibt auch den Kleinsten nicht erspart: vor allem Kinder haben häufig Karies, weil sie zu viel Zucker zu sich nehmen und ihre Zähne meist nicht gut genug putzen. Frühkindlicher Karies ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen in den meisten westlichen Gesellschaften.

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Wie erkennt man Karies ?

Das Erkennen von Karies erfolgt meist erst bei starken Schmerzen. Es herrscht nämlich ein Fäulnisprozess, welcher den Zahnschmelz kontinuierlich abbaut, wodurch schließlich ein Loch im Zahn entsteht. Plötzlich auftretende, pochende Schmerzen eines Zahnes können das erste Indiz für diese Erkrankung sein.

Des Weiteren  kommt es bei Karies oft zu einem Farbwechsel des betroffenen Zahnes und starkem Mundgeruch.  Ebenso kann die Sensitivität gegenüber starken Temperaturen (sehr kaltes oder sehr heiß) ein erstes Anzeichen dafür sein. Falls Sie Süßspeisen zu sich nehmen und es zu einem ziehenden Schmerz kommt, ist dies gleichfalls ein alarmierendes Vorzeichen für Karies. 

Diese Vorzeichen sollten Sie dazu auffordern, so bald wie möglich einen Zahnarzt aufzusuchen. Dieser wird in wenigen Sekunden mit einem geübten Auge Karies feststellen können und Ihnen Behandlungsmöglichkeiten, wie etwa eine Plombierung, anbieten. Oft wird auch schnelles Röntgen angeordnet, um die Diagnose sicherer zu machen.

Um also Schmerzen oder unerwünschte Kariesfortschritte an Ihren Zähnen zu vermeiden, sollten Sie sich halbjährlich einer zahnärztliche Behandlung unterziehen und Ihre Zähne untersuchen zu lassen. Sind Sie hier fahrlässig, zu träge oder haben Sie Zahnarztangst und eventuell eine mangelnde Mundhygiene, können Sie im Endeffekt anderen Krankheiten wie Gingivitis oder Parodontose zum Opfer fallen. Im schlimmsten Fall bedeutet das: mehr Schmerzen, mehr Komplikationen, eventuell Implantate und unangenehme und unnötige Kosten.

Was sind die häufigsten Symptome von Karies?

Unter den vielen Symptomen von Karies sind auch bräunliche Flecken ein Hinweis darauf, dass es langsam zu einer Entmineralisierung des Zahnschmelzes kommt. Zu dem Zeitpunkt, wo noch keine starken Schmerzen und Fäulnisgeruch aufgetreten sind, kann man mit sorgfältiger Mundhygiene und prophylaktischen Maßnahmen dem weiteren Fortschritt entgegenwirken.

Verfärben sich die Zähne hingegen ganzheitlich braun ist dies ein Anzeichen für Schmelzkaries, wo die Bakterienoberfläche auf den Zähnen so stark geworden ist, dass ein Loch im Zahn entstehen könnte – oder bereits entstanden ist. Erreicht diese Fäulnis das Zahnbein spricht man vom Zahnbein-Karies (auch als “Dentinkaries” oder “Caries media” bekannt). Bei Dentinkaries kommt es schließlich zur erhöhten Schmerzempfindlichkeit gegenüber Temperaturextremen und Süßspeisen.

Dringt die Fäulnis bis ins Zahnmark ein, so ist der Karies mittlerweile im Endstadium. Starke, strahlende Schmerzen und starker Fäulnisgeruch im Mundraum sind Anzeichen hierfür. Der Zahn ist schwach geworden und so können Zahn oder Zahnteile brechen und es kommt nicht selten zu einem Zahnabszess (=Schwellung an der Zahnwurzel).

Arten von Karies

Man kann Karies grundsätzlich in Art und Stadium kategorisieren, wobei bestimmte Arten bestimmten Stadien zugeordnet werden. Für ein besseres Verständnis haben wir beides in vereinfachter Form hier dargestellt.

Zahnarzt laechelnd
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Arten von Karies

Karies kann grundsätzlich abhängig davon kategorisiert werden, wo sich der Karies gerade befindet bzw. welchen Bereich er bereits geschädigt hat. 

Oberflächenkaries

Oberflächenkaries betrifft – wie das Wort schon sagt – die Zahnoberfläche an sich. Oft entsteht Oberflächenkaries wegen mangelnder Mundhygiene, sodass Plaque und anderer Belag, welcher durch gründlicheres Zähneputzen eigentlich ganzheitlich vermeidbar wäre, als nährstoffreiches Areal eine Ansiedelung von Bakterien begünstigen. Gute Mundhygiene reicht hier als präventive Maßnahme schon vollkommen aus.

Fissurenkaries

Die kleinen Rillen, Grübchen und Furchen auf den Zahnkauflächen bezeichnet man als Fissuren. Oft sind sie so eng, dass sie die Zahnbürste allein nicht richtig reinigen kann. So kann sich dort schnell bakterieller Zahnbelag festsetzen. Dieser Belag beginnt schon mit dem Durchbruch der Zähne, so kann man zu keiner Zeit von freien Fissuren ausgehen. Dies wurde vor einigen Jahres zum Anlass genommen ein Verfahren zu entwickeln, wobei diese Fissuren mit Kunststoff aufgefüllt und somit abgedeckt werden sollten, so das sich dort keine Karies mehr bilden kann. 

Ohne zu Bohren sollte dieses Verfahren funktionieren und besonders bei Kindern eine leicht anzuwendende Methode mit einem möglichst langem Schutz vor Karies sein. Durch die Entwicklung der Bonding- und Ätztechnik fand man ein Verfahren, welches es ermöglichte, ohne Materialverlust die Schmelzoberfläche durch Ätzen mit Säure aufzurauen. Mit speziellen Haftvermittlern wird der Kunststoff mit dem vorbereiteten Zahn verbunden. Anschließend wird der dünn fließende Versiegelungs-Kunststoff ausgehärtet.

Leider musste man in den letzten Jahren immer wieder feststellen, dass auch dieses Verfahren gegen Karies nicht zu 100 Prozent den Erfolg brachte, den man sich davon versprach. Es wurde in den versiegelten Fissuren immer wieder ausgedehnter Karies gefunden, welcher meistens erst dann erkannt wurde, wenn er unter der Versiegelung dunkel durchschimmerte, oder schon so groß war, das er auf dem Röntgenbild zu erkennen war.

Zahnhalskarries

Zahnhalskaries tritt häufig bei Menschen auf, die über 60 Jahre alt sind. Mit zunehmendem Alter zieht sich nämlich das Zahnfleisch zurück, sodass die Zahnhälse freiliegen und ein gefundenes Fressen für Bakterien – wie etwa Gattung Streptococcus mutans – sind. Schmerzen sind weitläufig und meistens kontinuierlich intensiv.

Oft ist auch eine zugrundeliegende Parodontose eine Ursache, da diese Erkrankung die Zahnwurzeln betrifft, welche ebenfalls oft von Karies attackiert werden. Ursache ist hier – wie so oft – mangelnde Mundhygiene, die durch Prophylaxe vermieden kann. Man kann es nicht oft genug erwähnen: Lassen Sie Ihre Zähne regelmäßig untersuchen!

Stadien von Karies

Initial-Karies (Caries superficialis)

Die Karies-Vorstufe (beginnender Karies) wird auch als Initial-Karies bezeichnet. Hier kommt es zu Entkalkungen, welche sich durch kleine, weiße Flecken an den Zähnen erkennbar machen. Die Flecken bekommen über die Nahrungsaufnahme oft auch eine andere Farbe, meistens werden sie dunkler. Das Hoffnungsvolle an diesem Stadium: Der Karies betrifft hier zunächst nur das Zahnschmelz und kann deshalb ganz einfach über bessere Mundhygiene, bessere (weniger zuckerhaltige und grundsätzlich zahngesunde Ernährung) Ernährung und Fluoridisierung behandelt werden. Diese Maßnahmen fördern die Remineralisierung des Zahnschmelzes, sodass eine Genesung möglich ist.

Tiefer Zahnkaries (Caries profunda)

Bei diesem fortgeschrittenen Stadium (Caries superficialis – Caries media – Caries profunda) ist der Karies längst in die Tiefe des Zahnes eingedrungen. Er hat bereits mehr als 2/3 des Zahnbeins durchdrungen und befindet sich auf dem Weg zu Zahnnerv und. Zahnmark. Besondere Füllungen und in den fortgeschrittensten Fällen neue Zahnkronen sind hier erforderlich.

Karies bei Kindern besonders gefährlich

Nochmal zur Verdeutlichung: Karies entsteht durch mangelnde Hygiene, falsche Ernährung und unzureichendes Zähneputzen. Kleine Kinder sind deshalb besonders gefährdet. Karies ist Millionen Kindern jährlich eine große Last, da besonders bei ihnen oft Zahnhygiene und Ernährung stark zu wünschen übrig lassen.

Sind die Milchzähne einmal draußen, beginnt die Sorge um Karies. Dieser kann starke Schmerzen verursachen und sich anderswo ausbreiten. Obwohl im Volksmund Karies bei Kleinkindern mit Leichtigkeit begegnet wird, sollte dies keinesfalls die Norm sein: gesunde Milchzähne sind für die spätere Prägung des Kindes unerlässlich.

So kann auch die Sprachentwicklung gewisse Schäden erleiden, die Kau-Fähigkeit kann beeinträchtigt werden und in Extremfällen ist das Gebiss des Kindes dauerhaft geschädigt und kann sogar durch einen Verlust von Zähnen begleitet werden. Nicht die optimale Ausgangslage für gesunde Zähne – aber dafür für kontinuierliche, schmerzvolle und kosten-intensive Besuche beim Zahnarzt.

Das Wohl Ihres Kindes sollte Ihnen am Herzen liegen. So ist eine bessere Aufklärung über Mundhygiene, Zähneputzen und eine ständige Kontrolle derselben unbedingt durchzuführen. Auch ein Süßigkeiten-Verbot ist in manchen Fällen sogar ratsam. Die Prophylaxe für Kinder ist ein dementsprechendes Muss.

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Wie bekämpft man heute Karies?

Laser

Im Zweifelsfall ist eine zahnärztliche Untersuchung empfehlenswert, welcher durch eine Laserbehandlung schmerzfrei Beläge auf den Zähnen entfernen kann. Zu den vielen Einsatzgebieten, in denen ein Laser in der Behandlung anstelle des Bohrers eingesetzt werden kann, zählen unter anderem Parodontitis- und Karies-Behandlungen, Ästhetik und Implantologie. Dabei entfällt das ohrenbetäubende Geräusch, wovor sich so viele Menschen fürchten.

Hinzu kommt, dass die Behandlung eines kariösen Zahnes mit Laser noch wirkungsvoller ist als mit dem Bohrer, da mit dem Laser nur der durch Karies beschädigte Bestandteil des Zahnes entfernt wird. Ein weiterer Vorteil der Laserbehandlung ist die Erschaffung einer keimfreien Zahnoberfläche durch den Laser. So ergibt sich eine optimale Basis zur weiteren Behandlung und eine besonders sorgfältige Hygiene an der Behandlungsstelle. Mit einer Laserbehandlung können schwer zugängliche Stellen im Mundraum behandelt werden, um Zahnsubstanz zu erhalten.

Der Laser erzielt ebenso gute Ergebnisse in den Gebieten Ästhetik und Implantologie. Besonders in dem Bereich der sogenannten Rot-Weiß-Ästhetik bewirkt die blut- und schmerzarme Behandlung mit dem Laser einen wesentlich kürzeren Heilungsprozess.

Nur speziell ausgebildete Fachkräfte dürfen Behandlungen mit dem Laser durchführen. Fachpersonen, welche diese Zusatzausbildung absolviert haben, verfügen durch regelmäßige Fortbildungen über die entsprechende Qualifikation. Im Vorgespräch sollten Betroffene von ihrem Recht Gebrauch machen und sich über die Qualifikation ihres Arztes erkundigen.

In einem weiteren Gespräch sollten Betroffene und zahnärztliche Fachpersonen gemeinsam Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode für die weitere Behandlung beleuchten. Eine Behandlung ohne Laser wäre in vielen Bereichen nur noch schwer vorstellbar. So verwundert es kaum, dass der Laser im Bereich der Medizin nicht mehr wegzudenken ist.

Mundhygiene über alles

Und nun noch einmal zusammenfassend: weniger Zucker konsumieren, regelmäßiges (2 bis 3-mal am Tag) Zähneputzen, sorgfältige Mundhygiene (Zahnseide, Mundspülung etc.) und professionelle Zahnreinigungen beim Zahnarzt (auch als “PZR” bekannt) sind wichtige erste Schritte, um Karies vorzubeugen. Vor allem bei Initial-Karies sind diese Methoden noch imstande, Karies-Läsionen wieder zu reparieren. 

In unserem anderen Leitartikel haben wir das Thema Mundhygiene umfassend und leicht verständlich für Sie behandelt. In wenigen Minuten können Sie sich gründlich über sorgfältige Mundhygiene informieren und somit lästigen Zahnerkrankungen in Zukunft vorbeugen. Lesen Sie gleich hier weiter.

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