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Albtraum Wurzelbehandlung – warum sie gar nicht so schlimm ist

Es ist eines dieser Worte, bei dem die Alarmglocken der meisten Menschen läuten. Wenn der Zahnarzt von einer „Wurzelbehandlung“ spricht, macht sich schnell ein mulmiges Gefühl breit. Auch das Internet ist voll von schrecklichen Nachrichten über „gezogene Wurzeln“, starke Schmerzen und vieles mehr. Die moderne Endodontologie, wie der Fachbereich der erhaltenden Zahnheilkunde heißt, ist jedoch gar nicht so schrecklich, wie sie oft dargestellt wird. Tatsächlich kann die Wurzelbehandlung in vielen Fällen einen Zahn retten, der eigentlich hätte extrahiert werden müssen.

Warum ist eine Wurzelbehandlung nötig?

Wenn der Zahnarzt in Berlin eine Wurzelbehandlung empfiehlt, hat das verschiedene Gründe. Die Behandlung gilt als wertvoller und zahnerhaltender Schritt, der eine Extraktion verhindern kann. In Frage kommt sie beispielsweise, wenn eine akute und nicht reversible Pulpitis vorliegt. Dies kann durch einen Kariesbefall entstanden sein. Die Bakterien haben sich ins Innere des Zahns bis zur Pulpa ausgebreitet und diese infiziert. Die Folge sind starke Schmerzen, die selbst ängstliche Patienten fast immer zum Zahnarzt führen. Durch eine Wurzelbehandlung kann auch ein solcher Zahn in vielen Fällen noch gerettet werden.

Möglich ist aber auch, dass eine Zahnwurzelentzündung als Indikation für die Wurzelbehandlung dient. Eine solche Entzündung entsteht, wenn das Zahnmark bereits abgestorben ist und sich die Bakterien bis an die Wurzelspitze ausgebreitet haben. Wenn der starke Zahnschmerz durch eine Pulpitis plötzlich stoppt, ist das kein Zeichen akuter Heilung. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Zahnnerv abgestorben ist. Die Bakterien bleiben aber im Zahn und breiten sich immer weiter aus. So kann es zur Wurzelspitzenentzündung kommen, die im schlimmsten Fall zu starken Schmerzen und zu einer Abszessbildung führen kann.

Wie verläuft eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt?

In den meisten Fällen verläuft die Wurzelbehandlung in mehreren Etappen, die Leitlinien für endodontologische Therapien sehen keine direkte Durchführung bei einem infizierten Zahn vor. Viele Patienten, bei denen eine Wurzelbehandlung nötig wird, stellen sich mit starken Zahnschmerzen in der Praxis vor und brauchen akute Hilfe. Dies ist dann, nach einer klaren Diagnosestellung, der Auftakt zur Wurzelkanalbehandlung.

Im ersten Schritt betäubt der Zahnarzt den Zahn, so dass fast immer Schmerzfreiheit erreicht werden kann. Im zweiten Schritt wird der Zahn aufgebohrt und von innen inspiziert. Bei einer stark entzündeten Pulpa kann der Zahnarzt einen fauligen Geruch wahrnehmen, oft blutet es im Inneren des Zahnes. Mit Hilfe feinster Feilen entfernt der Arzt den Nerv und das erkrankte Gewebe aus dem Zahn. Auch wenn die dabei verwendeten Feilen für den Patienten oft bedrohlich wirken, bekommen sie von der Anwendung nichts mit.

Nachdem das erkrankte und entzündete Gewebe zusammen mit dem Zahnnerv entfernt wurde, ist der erste Teil der Wurzelkanalbehandlung bereits fast geschafft. Nun legt der Zahnarzt ein Medikament in die geöffneten Wurzelkanäle ein. Das passiert unter Zuhilfenahme eines kleinen Wattepallets, was mit einem antibakteriellen Wirkstoff getränkt wird.


Die geöffnete Zahnkavität wird anschließend provisorisch verschlossen, hierfür wird in der Regel Cavit verwendet. Nun erhält der Patient einen neuen Termin, für die abschließende Wurzelkanalbehandlung.

Wenn die Betäubung nach dem ersten Schritt aufhört zu wirken, können sich noch immer Empfindlichkeiten und leichte Schmerzen einstellen. Der kranke Zahnnerv ist zwar entfernt, doch vor allem wenn sich die Entzündung um die Zahnwurzelspitze ausgebreitet hat, ist das noch spürbar. Das eingelegte Medikament wirkt aber zuverlässig und schnell, meist kann binnen 24 Stunden vollständige Schmerzfreiheit erreicht werden.

Die zweite Sitzung der Wurzelbehandlung beim Zahnarzt

In der Regel wird der Zweittermin zwei bis vier Wochen nach der ersten Sitzung geplant. Sollten zwischenzeitlich beim Patienten Schmerzen auftreten, ist natürlich jederzeit ein Besuch in der Praxis sinnvoll. Dann kann es sein, dass das Medikament im Zahn noch einmal erneuert oder ausgetauscht werden muss. Die endgültige und abschließende Wurzelbehandlung darf erst erfolgen, wenn der Zahn vollständig schmerzfrei ist.

Bei der zweiten Sitzung erkundigt sich der Arzt zunächst, ob sich der Zahn noch einmal durch Schmerzen bemerkbar gemacht hat. Häufig wird nun auch ein Röntgenbild angefertigt, um die Ausgangssituation zu dokumentieren. Anschließend wird die provisorische Füllung mit dem restlichen Medikament aus dem Zahn entfernt. Auch für diesen Behandlungsschritt wird wieder eine Betäubung gesetzt, damit der Patient schmerzfrei bleibt.

Die Aufbereitung der Wurzelkanäle unter Kofferdam

Wenn die Kanäle eröffnet sind, gilt es den Zahn vor Bakterien aus dem Mundraum abzuschirmen. Hierfür verwenden Endodontologen und erfahrene Zahnärzte das sogenannte Kofferdam. Es handelt sich um ein steriles Latex- oder Gummituch, was mittels einer Halterung so in der Mund eingesetzt wird, dass lediglich der behandelte Zahn hindurchragt. Alle anderen Zähne bleiben darunter, so dass möglich vollständige Keimfreiheit hergestellt werden kann.

Die Wurzelkanäle, von denen es mehrere geben kann, werden nun mit Hilfe von Feilen vorsichtig erweitert. Dabei erfolgt auch eine Längenbestimmung der Kanäle, um die spätere Wurzelfüllung exakt anpassen zu können. Zwischendurch werden die Kanäle mit Natriumchlorid gespült, um die Bakterien vollständig abzutöten. Wenn die Wurzelkanäle aufbereitet wurden und die Länge exakt festgelegt ist, geht es an die endgültige Wurzelfüllung.

Wichtig: Sollten vor Beginn der zweiten Behandlung noch Schmerzen bestanden haben, kann der Zahnarzt auf die endgültige Abfüllung noch verzichten. Möglicherweise füllt er diese dann erst in einer dritten Sitzung durch.

Das Füllen der aufbereiteten Wurzelkanäle

Sind die Wurzelkanäle gereinigt und der Patient war zuvor bereits schmerzfrei, kann direkt die endgültige Füllung erfolgen. Hierfür wird sogenanntes Guttapercha erhitzt und in die Wurzelkanäle eingefüllt. Es kann sich um eine flüssige Variante oder um Stäbchen handeln, die sich später durch Erhitzung ausbreiten. Das Füllmaterial muss den Wurzelkanal hermetisch dicht verschließen, so dass keine Bakterien in den feinen Nebenkanälchen vorhanden bleiben und so zu einer erneuten Entzündung führen.

Erst nachdem die Wurzelkanäle abgefüllt sind, erfolgt auch eine Füllung im Bereich der Zahnkrone. Musste im Rahmen der Zahnwurzelbehandlung sehr viel Zahnsubstanz entfernt werden, kann ein Wurzelstift eingesetzt werden. Auf diesen wird anschließend eine Krone gesetzt, so dass der Zahn normal belastet und genutzt werden kann.

Schmerzen nach der Wurzelbehandlung – was ist normal?

Wenn es nach der Wurzelbehandlung zu Schmerzen kommt, ist das zunächst nichts ungewöhnliches. Etwa bis zu sieben Tage kann es dauern, bis der Zahn vollständig belastbar ist, ohne dass es schmerzt.

Wichtig: Die Schmerzen dürfen nicht so stark ausfallen, dass sie unaushaltbar sind. Mit handelsüblichen Schmerzmitteln sollten sie sich gut behandeln lassen. Die meisten Betroffenen berichten im Nachhinein lediglich über eine gesteigerte Empfindlichkeit des Zahns bei Berührung oder beim darauf beißen. Wenn das anhält, kann der Zahnarzt die Höhe des Zahnes einschleifen, um die Kontaktpunkte zu reduzieren. Nach etwa einer Woche sollte der Zahn beschwerdefrei sein und ganz normal benutzt werden können.

Wenn der Schmerz nach der Wurzelbehandlung nicht aufhört

In der Endodontologie gibt es keine hundertprozentige Garantie. Zwar ist die Erfolgschance mit rund 85 Prozent angegeben, schwer zu findende Seitenkanäle oder ausgeprägte Entzündungen im Vorfeld können jedoch dazu führen, dass die Wurzelbehandlung kein Erfolg wird. Wenn die Schmerzen nach der abgeschlossenen Behandlung immer stärker werden und sich keine Linderung einstellt, muss die Wurzelbehandlung ab einem bestimmten Punkt als gescheitert angesehen werden.

Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Der Zahn kann extrahiert werden und wird im Anschluss mit einem Brückenglied oder einem Implantat ersetzt. Das entzündete Gewebe, was sich um die Wurzelspitze gebildet hatte, wird während der Extraktion entfernt.

Die zweite Alternative ist die sogenannte Wurzelspitzenresektion, über die auch allerlei Horrorgeschichten im Internet kursieren. Bei dieser Behandlung verschafft sich der Kieferchirurg durch den Kieferknochen Zugang zur betroffenen Wurzelspitze und kappt diese. Im Zuge der Behandlung können dann auch die Bakterien entfernt werden und der Zahn bleibt erhalten.

Fazit: Die Wurzelbehandlung ist eine wertvolle Methode des Zahnerhalts

Die erste Wurzelbehandlung ist mit Unsicherheit und Ängsten verbunden, verständlich. Ein guter Zahnarzt nimmt sich die Zeit für seine Patienten und beantwortet alle Fragen. Wenn es sich um einen Schmerznotfall handelt, muss trotzdem genug Zeit sein, auf den ängstlichen Patienten einzugehen und ihm die einzelnen Schritte zu erklären. In den allermeisten Fällen erweist sich die gefürchtete Behandlung im Nachhinein als eine Chance für den erkrankten Zahn, der bei idealer Versorgung (auch mit einer Krone bei Brüchigkeit) noch viele Jahre erhalten bleiben kann.

3 Gedanken zu „Albtraum Wurzelbehandlung – warum sie gar nicht so schlimm ist“

  1. Ich bedanke mich für den gut beschriebenen Artikel. Viele Punkte über die Wurzelbehandlung habe ich selbst noch gar nicht gewusst. Jetzt bin ich bestens für mein Vorhaben vorbereitet.

  2. Bei mir steht nun auch bald eine Wurzelkanalbehandlung an. Angst habe ich vor dem Mikroskop. Eigentlich brauche ich ja keine Angst zu haben..

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